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XXL-Spediteur zeigt, wie Metall-Umschlag geht

November 2017 — Handzettel, Maßband und Schätzungen waren gestern. Rüdinger arbeitet mit Technik auf Stand der Zeit. Reklamationen der Kunden gehen gegen Null. Die Krautheimer Spedition ist spezialisiert auf große Tonnagen und Überbreiten.

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Branchenüblich ist immer noch 1 %. Bei Rüdinger liegt die Schadensquote im Bereich von Promille. Und tritt einmal Schaden ein, liegt es meist an Individualursachen. Dies kann eine Woche mit Feiertag sein, in der die Mitarbeiter schlicht in weniger Zeit mehr Volumen umschlagen müssen.

Transporte großer Maschinen mit viel Steuerungstechnik, Überlängen oder Sondermaßen sind Spezialgebiet der Rüdinger Spedition GmbH. „Der Schlüssel für die Qualitätsgarantie liegt in der Durchgängigkeit, Transparenz und der Befähigung der Mitarbeiter“, sagt Geschäftsführer Roland Rüdinger. Für das Krautheimer Unternehmen beginnt der Umgang mit der Ware im ersten Auftragsgespräch.

Edelmetalle, Halbzeuge oder Stangen werden beim Kunden vor Ort überprüft und Verladungstechniken analysiert. Der Grund: Hersteller wissen meist am besten, wie ihre eigene Ware unbeschädigt verladen oder eingelagert wird. Geräte und Abläufe werden in Krautheim daraufhin abgestimmt. Im Schnitt investiert Rüdinger jährlich 100 000 Euro in Werkzeuge, Umschlaggeräte und Prozesse, die das Transportgut schützen. Dieses Engagement und der feinfühlige Umgang mit der Ware verschaffen Reputation in der Metallbranche: gerade in der Edelstahlbranche, in der unversehrte Oberflächen essentiell sind.

Wichtiger Bestandteil der Lagerung ist die Umschlagshäufigkeit. „Je mehr Schnittstellen, desto wahrscheinlicher sind Beschädigungen“, sagt der Geschäftsführer. Deshalb bedient Rüdinger die meisten Strecken mit eigenen Lkw und beschränkt sich auf einen Umschlag bei sich in Krautheim. Dadurch können Rüdingers 20 Lageristen vorbereitet und für den richtigen Umgang mit den Metallen und Formen geschult werden.

Dadurch gibt es für jede Art von Ware einen Spezialisten, der weiß, wie er anpacken muss. Gabelstapler mit bis zu 2,4 m teleskopierbaren und in der Breite von 1,1 m auf 1,8 m verstellbaren Zinken sorgen bei Paletten mit Übergröße für die nötige Stabilität oder für das Bewegen auf engstem Raum. Ein 4 m langer Hubwagen für eine Heckbeladung oder Kräne mit einer Belastungsgrenze von 32 t ermöglichen das fehlerfreie Hantieren ebenfalls. Der Blick auf die Straße zeigt Rüdingers orangefarbene Lkw, die von 2,47 m auf 2,54 m Ladebreite erweitert sind oder Möglichkeiten zur seitlichen Beladung bieten.

Lager trifft auf Digitalisierung

„Häufig werden beim Einlagern und Verladen die Unterkonstruktionen der Ware beschädigt“, berichtet Rüdinger, der zertifizierter Trainer für Ladungssicherung ist. Denn bei Sondermaßen sind Mittelformat-Paletten mit 2,5 m x 1,25 m bis 4 m x 2 m üblich. Die Krux ist das Beladen: Hier messen herkömmliche Lkw 2,47 m in der Breite, was durch die fehlenden Zentimeter ein Längsverladen der Paletten erzwingt. Spätestens hier kommen normale Stapler aufgrund der Zinken-Länge nicht weiter.

Unabhängig von der Stabilität der überhängenden Ware werden die Paletten häufig an den Hölzern der Unterkonstruktion nach hinten geschoben. „Bei gebundener Ware kann das verheerende Folgen haben“, betont der Verladeexperte. Sobald die Verpackung beschädigt sei, egal in welcher Form, mache sich die Ware selbstständig. Die Bänderung löst sich, das Gut wird zwangsläufig beschädigt, Menschen werden gefährdet. Hinzu kommt, dass die Ware oft bei kleinen Mäkeln bereits reklamiert wird. Sensible Maschinen können gar in ihrer Funktionalität beeinträchtigt sein. Dann beginnen oft zeitraubende Streitigkeiten um Schuld und Geld, die die Kundenbeziehung belasten. Perfektionist und Technikfreak Rüdinger wollte all dies nicht mehr. 

Ein Produkt der Logistik 4.0-Ummodellierung in den vergangen zwei Jahren sind die technischen Gadgets des Spediteurs. 40 Kameras machten in der Lagerhalle den Anfang. „Unser Ziel ist die Optimierung des Verladeprozesses und der perfekte Nachweis bei Schaden oder Maßabweichung“, erklärt Rüdinger die Investition. Zu jeder Zeit wird jeder Winkel der Halle im Auge behalten. Damit kann der Mittelständler Abläufe bei einer Reklamation genauestens nachverfolgen und Kunden Einblicke in die Lagerhalle zu ihrer Ware verschaffen.

Das schafft vollständige Transparenz der Abläufe. Die Schuldfrage sei bei Beschädigungen schnell geklärt, sagt Rüdinger. Eckt die Ware hingegen in der Lagerhalle an, kann der Vorgang mit dem zuständigen Mitarbeiter analysiert und für die Zukunft verbessert werden. Auch die Frage, wie technische Hilfsmittel oder andere Maßnahmen helfen können, dass sich ein solcher Fall nicht wiederholt, wird dann erörtert.

Transparent und planbar

Zentrales Instrument für effizientes Warenmanagement ist der so genannte Apache, den die Spedition vor zwei Jahren angeschafft hat: Das Lasermesssystem erfasst Ware bis 5 m x 2,5 m x 5 m über einen dreidimensionalen Lasermesser und ergänzt das Gewicht durch eine Bodenwaage. Automatisch wird anschließend ein Foto der Ware oder von der Maschine erstellt und in den Sendungsauftrag eingefügt. Anschließend spuckt der Drucker ein Barcode-Etikett mit den dazugehörigen Daten aus, das am Transportgut befestigt und bei Verladung gescannt wird. Damit haben Lageristen präzise Daten für eine passgenaue Einlagerung oder Verladung, ohne anzuecken. Die ursprüngliche Dokumentation der Maße oder das Herunterspielen von Daten, um den Preis zu drücken, werden somit eliminiert und eine Fehlplanung auf der Basis falscher Fakten vermieden. 

„Metalle in jeglicher Variation sind wegen ihrer Maße oft nicht systemkonform und werden im Stückgutsystem immer Probleme bereiten“, fasst Rüdinger zusammen. Dennoch holen die orangen Lkw bis zu 30 Packstücke solcher Ware nachmittags bei einem Kunden ab und bringen sie zum Kommissionieren nach Krautheim.

Von 17 Uhr bis 22 Uhr wird das Metallgut im Extremfall auf bis zu 100 Lkw verteilt, die dann in der Nacht losfahren um am nächsten Morgen anzukommen: eine Herausforderung, die vom Kunden über die Lagerung bis zur Auslieferung wie Zahnräder ineinandergreifen muss. Die Kunden wissen zu jeder Zeit, wo sich Ihre Ware befindet, an welchem Platz in der Halle sie liegt und können den Weg von Krautheim bis zum Kunden nachverfolgen. Für die getaktete Metallbranche bieten sich dadurch neue Möglichkeiten der Optimierung.

Hendrik Stüwe ist Journalist in Göppingen

Rüdinger Spedition GmbH
Uferweg 12
74238 Krautheim
Ansprechpartner ist Roland Rüdinger
Tel.: +49 6294 908-0
info@ruedinger.de
www.ruedinger.de

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