DRAHT
6/2011 November

Double Dip und Gummibänder
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Der Begriff „Double Dip“ sagt Ihnen etwas? Ganz sicher? Gemeint ist hier nicht der Teil der Achterbahn, wo es nach der Auffahrt zunächst scharf bergab, und dann über ein Zwischenhoch weiter bergab geht. Der Klassiker aller Rollercoaster, ebenso vorhersagbar wie unabänderlich und schnell. „Dip“ heißt so viel wie „Abhang“, ein Double Dip dann die doppelte Talfahrt.
Nein, mit Double Dip – oder der „W-Formation“ – beschreiben Wirtschaftler das Phänomen, wonach der plötzliche Aufschwung aus einer Rezession umgehend den Rutsch ins nächste Tief einleitet. Die Begriffe sind in der Konjunkturforschung etabliert. Und seitdem die Infrastruktur-Programme in Schwellenländern und der EU ins Stocken geraten sind, werden sie in der Wirtschaftspresse wieder gerne genutzt.
Die Analogie bietet sich in der Tat an. Aber sie ist mechanistisch, und das kann mitunter zu wenig sein. Die Achterbahn endet auf Ebene Null, eben dort, wo der Start war. Die Wirtschaft hingegen macht nach jedem Zwischentief auf höherem Niveau weiter. Zumindest im exportfixierten Technikland „D“ ist dies seit 1950 regelmäßig so. Die Abfolge bleibt dabei stets die Gleiche: Im Jahr vor der Rezession wachsen die Industrieausfuhren kräftigst an. Dann brechen sie während der Krise noch kräftiger ein, kommen kurz danach wieder auf Höhe und markieren fürs Erste neue Umsatzrekorde.
Genau dies beschreibt der so genannte „Gummiband-Effekt“. Rauf, runter, wieder rauf und dann weiter zum nächsten Bahnabschnitt, so geschehen in allen ökonomischen Krisen der letzten Jahrzehnte. Auch dieser Begriff wird gern genutzt, scheint gegenüber dem eleganten Anglizismus „Double Dip“ manchen indes zu banal. Gut: Je nach Machart der jeweiligen Krise – real- oder finanzwirtschaftlich, Absatz- oder Produktionsdefizit – sind die Ausschläge verschieden groß. Dann haben sie auch mal Bungeesprung-Qualität. Aber der Trend bleibt unter dem Strich derselbe, zumindest für die deutschsprachige Industrie. Double Dip ohne Gummiband geht eben nicht.
Wolfgang Filì, Chefredakteur
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