


Nahezu komplett von A bis Z
Niehoff baut Maschinen zum Ziehen, Glühen, galvanischen Beschichten, Verlitzen, Aufspulen, Umspulen und Flechten von Draht aus Kupfer, Aluminium und anderem NE-Metall. Außerdem produziert das Schwabacher Unternehmen Systeme zum Verseilen, Aufwickeln und Aufspulen von Daten- und Spezialkabeln. Das Angebot reicht bis zur Planung, Einrichtung und Übergabe kompletter Kabelfabriken.
Die Maschinenfabrik Niehoff ist hervorgegangen aus der 1859 gegründeten Drahtziehstein-Industrie J.M. Bauer. Das Unternehmen baute unter anderem Ziehmaschinen für Drähte aus Nichteisen-Metallen. Dessen Geschäftsführer Walter Niehoff erwarb den Betrieb 1946, gab ihm 1951 den heutigen Namen und richtete ihn neu aus. Das Programm wurde erweitert, als 1954 Walter Nacken, seinerseits Inhaber der Drahtzieh-Maschinenfabrik Kratos, zum Unternehmen stieß. Niehoff erkannte früh die Bedeutung des Weltmarkts und die Nachfrage nach Komplettlösungen aus einer Hand. Viele Techniken, die Niehoff mit Unternehmen aus der Draht- und Kabelbranche zur Anwendungsreife brachte, gaben der Branche neue Impulse und gelten mittlerweile als Standard in der Draht- und Kabelproduktion.
Die erste von Niehoff auf den Markt gebrachte Walzdraht-Ziehmaschine, eine Weiterentwickung der Kratos-Maschine KA1, war in der Lage Kupferdraht mit 8 mm Durchmesser auf Enddurchmesser von 3 mm bis 1,20 mm bei einer maximalen Geschwindigkeit von 15 m/s zu ziehen. Das war 1957. Die 1962 erstmals verkaufte M 85 war ausgelegt für Enddurchmesser von 4,5 mm bis 1,2 mm, erreichte Ziehgeschwindigkeiten bis zu 25 m/s und ist – technisch ständig aktualisiert – heute die weltweit am meisten genutzte Walzdraht-Ziehmaschine. Die in Ein- und Zweidrahtversion für Kupfer- und Aluminiumdraht gebaute Maschine kann mit einer Ziehgeschwindigkeit von bis zu 38 m/s arbeiten. Auf der M 85 beruht die 1998 eingeführte MSM 85 mit einzeln angetriebenen Ziehscheiben. Das elektronisch gesteuerte Antriebsprinzip ermöglicht einen Betrieb mit minimalem Schlupf, was sich in einer hohen Drahtoberflächen-Qualität und einem im Vergleich mit konventionell angetriebenen Maschinen um bis zu 20 % verringerten Energieverbrauch zeigt. Die maximale Ziehgeschwindigkeit beträgt 40 m/s.
Mehrdraht-Ziehmaschine für Kupfer
1975 regte Niehoff mit der ersten Mehrdraht-Ziehmaschine für Kupfer einen Umdenkprozess an. Fünf Jahre später hatte das Mehrdraht-Ziehen das konventionelle Eindraht-Ziehen abgelöst. Seit 1985 sind die modular aufgebauten Mehrdraht-Maschinen der MMH-Reihe auf dem Markt, die gleichzeitig bis zu 48 Drähte auf Enddurchmesser von 0,08 mm bis 1,35 mm ziehen können und Geschwindigkeiten von bis zu 40 m/s erreichen. Die Drähte haben gleichmäßige, eng tolerierte physikalische Eigenschaften und sind ideal geeignet, zu hochwertigen Litzen verbunden zu werden. Seit 2002 gehören auch 8- und 16-Draht-Ziehmaschinen mit speziellen Durchlaufglühen für Drähte aus Aluminium und Al-Legierungen zum Programm. Eine der jüngsten Entwicklungen ist ein Modell, das direkt eine Spule mit 19 Drähten oder zwei Spulen mit je 18 und 19 Drähten füllen kann, die zu einer 19- oder 37-drähtigen Litze verlitzt werden sollen. Damit vereinfacht sich das Spulen-Handling, und vor der Verlitzmaschine ist nur noch eine Ablaufstelle nötig.
Seit 1971 bietet Niehoff auch ein komplettes Programm an Doppelschlag-Verlitzmaschinen an, das mittlerweile überarbeitet worden ist. Auffälliges Merkmal der neuen Maschinen ist die Einbügel-Konstruktion, wodurch der Energieverbrauch und der Geräuschpegel im Vergleich zu Zweibügel-Maschinen erheblich verringert wurden. Das 2008 eingeführte optoelektronische NBAT-System regelt den Verlegevorgang, so dass die aufgespulten Litzen auch bei hohen Geschwindigkeiten ohne Beschädigung abgezogen werden können. Zu den 2010 eingeführten Entwicklungen gehören Energiespar-Motoren für den Rotorantrieb und aerodynamisch optimierte Energiespar-Bügel.
Das Verlitzmaschinen-Konzept war Grundlage für die Entwicklung von Doppelschlag-Verseilmaschinen mitsamt Zubehör, die seit 2002 auf den Markt kamen und zu Fertigungslinien kombiniert werden können, die mit hoher Geschwindigkeit alle Arten von Daten- und Spezialkabeln einschließlich LAN-Kabeln sämtlicher Kategorien – selbst künftiger Generationen – mit höchster Präzision fertigen.
Ideal für hochwertige Litzen
Um für alle Schritte vom Walzdraht-Ziehen bis hin zum Verlitzen von Feindraht aufeinander abgestimmte Maschinen aus einer Hand anbieten zu können, hat Niehoff eigene Hochgeschwindigkeits-Rotations-Flechtmaschinen entwickelt. Sie werden seit 2003 gebaut. 2004 wurden die Draht-Spulmaschinen von Hacoba übernommen und seither weiterentwickelt. Jüngste Neuheit ist ein RFID-System für das Flechtspulen-Management. Wegweisend wirkte auch das 1987 erstmals vorgestellte und seither weiterentwickelte Kabel-Handling-System Niehoff-Paket-System (NPS), das mittlerweile in Europa alle anderen Gebindeformen fast vollständig ersetzt hat. Das NPS besteht aus zerlegbaren Kunststoff-Mehrwegspulen und Einzel- oder Doppelspulern, die mit einer speziellen Verlegetechnik das Wickelgut konisch aufspulen. Die Spulen geben dem Gebinde im vollen wie im teilweise entleerten Zustand sicheren, schlingenfreien Halt. Das Wickelgut, zum Beispiel Litzen oder Automobilleitungen, lässt sich mit hohen Geschwindigkeiten störungsfrei abziehen. Die in mehreren Versionen angebotenen NPS-Spulen können komplett zerlegt werden und benötigen sehr wenig Transportraum.
Die Entwicklung von Maschinen und Anlagen erfolgt bei Niehoff in enger Zusammenarbeit mit den Unternehmen der Draht- und Kabelindustrie. Während früher die Steigerung von Produktionsdaten großes Gewicht hatte, konzentriert sich die Entwicklung heute auf den effizienten Umgang mit Energie und Rohstoffen sowie die Senkung der Betriebskosten. Die Niehoff-Gruppe hat heute mehr als 600 Beschäftigte und ist mit vier produzierenden Tochtergesellschaften in Brasilien, den USA, Tschechien und Indien sowie fünf Vertriebszentren in Japan, Singapur, China, Russland und Dubai weltweit aktiv.
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