


Mehr als Vorkriegs-Qualität ...
Wo Draht aus Kupfer, Aluminium oder Eisenmetall gezogen wird, gehören die Medien von Carl Bechem zur ersten Wahl. Kein Wunder: Die Geschichte des Hagener Schmierstoff-Herstellers ist seit 1834 mit der Ziehtechnik verknüpft. Entsprechend solide ist das im Lauf der Jahre gewachsene Know-how.
Die Geschichte des 176 Jahre alten Hagener Schmierstoff-Herstellers Carl Bechem ist eng verbunden mit der Entwicklung des bergisch-märkischen Raums und der des Ziehens von Draht. Kurz nach Unternehmensgründung gehörten die Drahtziehereien im Raum Altena nebst Montanindustrie und dem Eisenbahnwesen zu den wichtigsten Kunden dieser ersten deutschen Ölfabrik. Bechem belieferte die damaligen Drahtzug-Betriebe mit Rapsöl. Für die Produktion der ersten echten Industrieschmierstoffe setzte er jahrelang als Alleinabnehmer die gesamte Rapsölproduktion der Rathenower Ölmühle ein.
Bis 1950 hatte sich Draht zu einem alle Gewerke durchdringendem Medium entwickelt – und zwar gleich ob als Halbzeug oder als Endprodukt. Obwohl es vor beiden Weltkriegen enorme Fortschrittsphasen im Maschinenbau gegeben hatte, dominierte im Nachkriegs-Drahtzug immer noch die Eindraht-Maschine. Bei der Bearbeitung von Erzeugnissen aus Stahl wurden Öle, Seifen, Graphit und Kreide eingesetzt. Als Ziehöl und Grundstoff für die Herstellung von Ziehseifen diente Fettöl tierischer Herkunft wie Lardöl als flüssiger Anteil im Schweineschmalz, das aus der Verwertung des Pottwals gewonnene Spermöl oder das pflanzliche Rapsöl. Auch bei den Schmierstoffen wurde auf Bewährtes gesetzt. So bestätigte für ein Referenzbuch seinerzeit ein Altenaer Markenartikler – Drahtzieherei und Speichenhersteller zugleich – die Qualität des Bechem-Ziehöls „Qualität R“ und betonte in einem Schreiben vom Februar 1950, dass „die Betriebe unter allen Umständen die Beibehaltung des bereits schon weit vor dem Kriege bezogenen Draht-Ziehöls“ wünschten. Emulgatoren und stabile Emulgator-System, die eine Entwicklung von Ziehemulsionen ermöglichen sollten, lagen noch in weiter Ferne.
Kunde wünschte Qualität von 1939
Bechem startete erst 1980 als Newcomer im Marktsegment NE-Metall-Drahtzug. Unter Verwendung tierischer und pflanzlicher Ester wurden grobdisperse Emulsionen produziert. In dieser Zeit stiegen mit der Miniaturisierung elektronischer Bauteile, dem Fortschritt in der Mikroprozessor-Technik sowie mit gestiegenen Anforderungen und gestiegenen Drahtbedarf der Autobranche auch die Anforderungen in der Emulsions-Technik. Die Produktion insbesondere feiner Kupferdrähte wurde entsprechend gesteigert. Die bis dahin eingesetzten Eindraht-Ziehmaschinen wurden durch die Multiline-Technik ersetzt. Die anfänglich eingesetzten Vierdraht-Ziehmaschinen wurden weiterentwickelt.
Die bis dahin bekannten Ziehmedien stießen immer öfter an ihre Grenze. Die Stabilität und Sauberkeit der Schmierstoff-Systeme erfüllten nicht die Anforderungen des modernen Mehrdraht-Zugs. Bechem überarbeitete die Drahtzug-Medien insoweit komplett. Auf Basis synthetischer Ester und stabiler Emulator-Systeme wurden Emulsionen entwickelt, die die geforderte Leistung erfüllten. Mit den in dieser Zeit parallel entwickelten vollsynthetischen, wasserlöslichen Ziehlösungen, stellte Bechem eine Produktgeneration vor, die der Mehrdrahttechnik des Fein-, Feinst- und Superfeinst-Zug gerecht wurde. Die Weiterentwicklung der Ziehmedien führte zu der aktuellen Unopol-Reihe, die ein komplettes Programm wasserlöslicher Ziehmedien abdeckt – umgangssprachlich auch als Vollsynthesen bezeichnet - sowie die emulgierbaren Ziehkonzentrate für alle Querschnitte des Kupferdraht-Zugs. Neben der Produktion von Kupfer-Blankdrähten ist hier auch die Produktion entsprechender verzinnter, versilberter und vernickelter Drähte zu nennen. Des Weiteren werden die Ziehmedien erfolgreich in der Lackdraht-Produktion eingesetzt. Aluminiumdraht-Produktion wurde in dieser Zeit unter Einsatz hochviskoser Mineralöle sowie tierischer und pflanzlicher Öle produziert. Später kamen in den Rezepturen zunehmend synthetische Öle und Ester zum Einsatz. Gerade wegen ihres geringen Gewichts gewinnen Aluminiumdrähte eine immer größere Bedeutung.
Die Stahldraht-Bearbeitung war in den 80er Jahren, wie auch 30 Jahre zuvor, noch geprägt vom Einsatz hinzu gefügter Raps- und Mineralöle sowie von Boraten und Ziehseifen. Techniken der Vorbehandlung wie das Phosphatieren, die schon in der Mitte der 30er Jahre entwickelt wurden, waren zusammen mit dem Beseifen und dem Kälken Stand der Technik. Das Umformen schwierig zu bearbeitender Draht-Halbzeuge, etwa für die Massivumformung, wurde durch diese Vorbehandlungs-Verfahren unterstützt. Das steigende Umweltbewusstsein sorgte dafür, dass das Phosphatieren durch verträglichere Prozesse ersetzt wurde.
Neue Materialien, neue Wege
Mehrdraht-Ziehmaschinen prägten im NE-Metall-Drahtzug weitest gehend die industrielle Praxis. In der Kaltmassivumformung ersetzen moderne Inline-Beschichtungssysteme teils umweltbedenkliche Vorbehandlungs-Techniken und ermöglichen eine wirtschaftlichere Fertigung von Drahterzeugnissen. Der Aluminiumdraht-Zug hat an Bedeutung gewonnen. Bislang waren aus Al-Legierungen gefertigte Drähte überwiegend in Hoch- und Mittelspannungsleitungen als Schirmdraht eingesetzt worden. Aus Kosten- und Gewichtsgründen wird Kupfer insbesondere im Automotive-Sektor zunehmend durch Aluminiumprodukte ersetzt. Weiteres Einsatzgebiet ist die Lackdraht-Produktion. Das Angebot von Al-Draht ist durch Produkte im Mittel- und Feinzug unterhalb 1 mm bereichert worden. Bechem geht in diesem interessanten Segment durch den Einsatz von Emulsionen erstmals neue Wege. Beim Mehrdraht-Ziehen von Aluminium ermöglicht der Wechsel vom klassischen, nicht-wassermischbaren Ziehölen auf Mineralölbasis, zu den speziell für diesen Unformprozess entwickelten Emulsionen der Unopol-Al-Reihe ein angenehmes und sauberes Arbeitsumfeld. Die Filtrierbarkeit und die gute Spülwirkung der Emulsionen resultieren in sauberen Ziehmaschinen und in einem hochwertigen Draht-Endprodukt, das durch rückstandsarme Oberflächen überzeugt und eine optimale Weiterverarbeitung gewährleistet. Mit den herkömmlichen Ziehölen sind derartige Ergebnisse unter vergleichbaren Einsatzbedingungen nicht möglich.
Vor dem Hintergrund umweltverträglicher und leistungsfähiger Produkte, einer immer restriktiveren Chemikalien-Gesetzgebung und dem absehbaren Ende der Mineralölreserven hält die Zukunft viele Herausforderungen für die Entwicklung neuer Drahtzug-Medien bereit. Carl Bechem GmbH entwickelt bereits heute mineralöl- und emulgatorfreier Ziehmedien.
Weststraße 120, 58089 Hagen
Tel.: +49 2331 935-0
Fax: +49 2331 935-199
E-Mail: info@bechem.de
Internet: http://www.bechem.de
